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07.09.2009 - Rätsel um 323 556 gelöst
Vor einiger Zeit haben wir auf unserer Seite "Rätselhaftes" die ungewöhnliche Veränderung der 323 556-1 (Gmeinder 4878 / 1956) vorgestellt. Die Lok zeigte sich 1985 mit einem geschlossenen Führerhaus, während eine Aufnahme von 1989 die Lok wieder in offener Ausführung zeigt. Es lag nahe, dass es sich bei der Aufnahme von 1985 um eine andere Lok handelt. Dies konnte nun auch bestätigt werden. Das Foto von 1985 zeigt in Wirklichkeit die "umgezeichnete" 323 237-8 (Deutz 57340 / 1960)! Norbert Lippek hat uns dazu eine Mail geschrieben, in der die Hintergründe erläutert werden:

"Am 11.12.1985 war die übliche Werksbesichtigung im AW Bremen. Beim Schlendern durchs Werksgelände trafen wir auch auf die 323 237. Für uns alle, auch den begleitenden Mitarbeiter des AW, nichts ungewöhnliches, eine der vielen abgestellten Köf. Nur einer der Eisenbahnfreunde, der sich mit Köf und speziell dem Bw Osnabrück auskannte, stutzte. Er sagte, da stimmt was nicht. Die 323 237 läuft als Gerät im Bw Osnabrück und ist winterfest. Die 323 237, die hier im AW stand, war aber nicht winterfest. Wir nahmen die Lok genauer unter die Lupe; und siehe da, man konnte erkennen, dass die Loknummer verhältnismäßig neu angebracht war. Und bei noch genauerem Hinsehen konnte man unter der neuen Nummer noch die alte durchschimmern sehen. Man hatte sich zum Glück nicht die Mühe gemacht, die alte Nummer zu entfernen, sondern sie nur einmal mit rot übergemalt. Und siehe da, die hier stehende vermeintliche 323 237 war in Wirklichkeit die 323 556!

Hintergrund des ganzen war wohl folgender. Die winterfeste, bereits ausgemusterte und als Gerät im Bw Osnabrück eingesetzte 323 237 musste ins AW Bremen geschickt werden. Der Grund ist nicht bekannt. Vielleicht war die Untersuchungsfrist abgelaufen, und die Lok musste, obwohl Gerät, eine neue Untersuchung bekommen!? Nun war man sich im Bw Osnabrück wohl ziemlich sicher, dass man, wenn man die Lok ins AW Bremen schicken würde, sie nie wiedersehen würde, weil man sie dort in den Schrott schicken oder verkaufen würde. Dies wollte man wohl unbedingt vermeiden, vielleicht war sie ja speziell für ihren Einsatz im Bw hergerichtet worden. Also ging man kurzerhand bei, zeichnete die 323 556, auf die man offenbar gerne verzichten konnte, in 323 237 um, frei nach dem Motto, dass merkt ja eh keiner. Und so ist sie auf dem beigefügten Bild von mir vom 11.12.1985 im AW Bremen zu sehen. Und aus der 323 237 wurde die 323 556, so wie sie Rolf Köstner am 2.12.1985 im Bw Osnabrück fotografiert hat. Das heißt, das Bild zeigt nur vermeintlich die 323 556, in Wirklichkeit ist es die 323 237!"


Natürlich wurde später nach der Entdeckung dieser "Umzeichnung" das Ganze rückgängig gemacht. Die Osnabrücker durften ihre 323 237-8 als Gerät behalten, heute ist die Lok museal beim Verein Museums-Eisenbahn Rahden-Uchte e. V., Rahden, erhalten.

Auch für die 323 556-1 endete die Geschichte positiv, denn sie erhielt im AW Bremen noch einmal eine Hauptuntersuchung und war somit eine der wenigen nicht winterfesten Kleinloks, die noch das Zeitalter der Deutschen Bahn AG erlebt hat. Ein Punkt im Lebenslauf der 323 556-1 ist hingegen noch offen: Die Frage, was aus der Lok geworden ist. Die Ausmusterung erfolgte offiziell zum 30.11.1995. Bekannt ist, dass die Lok seitdem im Betriebshof Hannover abgestellt war und dort womöglich im Oktober 1999 noch vorhanden war. Möglicherweise wurde die Lok vor Ort verschrottet, aber wann und durch wen ist bislang nicht bekannt.

Daher würden wir uns über Infos wie Sichtungsdaten oder Fotos aus der Abstellzeit in Hannover zur Ergänzung des Lebenslaufs der Lok sehr freuen. Nutzen Sie dafür einfach den Bilderupload oder das Kontaktformular, dass Sie im Fahrzeugportrait finden!

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