Leistungsgruppe II

Der nachstehende Aufsatz beschäftigt sich mit der Entwicklung der Kleinlokomotiven der Leistungsgruppe II vom ersten Prototypen bis hin zur Einheitskleinlok. Den Direktlink zu den Fahrzeuglisten gibt es hier.



Beispiele für Kleinlokomotiven der Leistungsgruppe II.

Die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft ordnete die Kleinlokomotiven zunächst in zwei Leistungsgruppen ein. Neben den Kleinloks der Leistungsgruppe I mit einer Motorleistung bis 39 PS gab es die Leistungsgruppe II. Hier fanden sich die Kleinloks mit einer Motorleistung von 40 PS und mehr wieder. Erst 1956 wurde durch die Deutsche Bundesbahn die Einstiegsgröße für die Lg II auf 51 PS angehoben. Gleichzeitig legte man eine Obergrenze von 150 PS für die Lg II fest. Dies war durch die in Planung befindliche Kleinlok der Leistungsgruppe III erforderlich geworden, die erstmals 1959 an die DB geliefert wurde und eine Leistung von 240 PS aufwies.

Zurück zu den Anfängen: Im Jahr 1930 wurden die ersten Prototypen an die DRG geliefert. Am Bau der Prototypen waren gleich vier Hersteller beteiligt. Die Kleinloks orientierten sich baulich an den 1927 von der BMAG an die Niederländische Staatseisenbahn-Gesellschaft gelieferten Schleppfahrzeugen. Die erstgebauten Kleinloks der Lg II besaßen wie die ersten Lg I einen durchgehenden Längsrahmen und einen mittig angeordneten Führerstand. Die Kleinloks wurden von außen bedient, wobei der Bediener auf seitlich angeordneten Trittbrettern stehen musste.

A 6000 - A 6003 
V 6004 - V 6006 
V 6007 - V 6009 
V 6010 - V 6012 
V 6013 - V 6015 
- AEG => Ks 4012 - Ks 4015
- BMAG => Kb 4000 - Kb 4002
- BMAG => Kö 4003 - Kö 4005
- Deutz => Kö 4006 - Kö 4008
- Windhoff => Kö 4009 - Kö 4011

Bei den ersten im Jahr 1930 gelieferten Kleinloks wurde noch das ursprüngliche Bezeichnungsschema genutzt. Im nebenstehenden Kasten sind die ersten an die DRG gelieferten Loks aufgeführt.

1931 legte die DRG fest, dass sämtliche Kleinlokomotiven durch den Stammbuchstaben K (= Kleinlok), ergänzt um einen Index, der die Art des Antriebes kennzeichnen soll, bezeichnet werden sollten. Die Kleinloks der Lg II sollten Ordnungsnummern aus dem Bereich 4000 - 9999 erhalten. Die Versuchlokomotiven von 1930 wurden daraufhin wie im Kasten dargestellt umgezeichnet.

Von den ersten Prototypen blieben zumindest zwei Speicherloks museal in Bochum und Nördlingen erhalten. Ks 4013 (links) und Ks 4015 (rechts).

Lange im Bestand der DRG halten konnten sich die Protoypen indes nicht. Bereits in den Jahren 1935/1936 wurden die Loks ausgemustert, größtenteils aber noch als Geräte oder Schleppfahrzeuge in den Werken der DRG bzw. der DRB, wie die Staatsbahn seit dem 02.02.1937 bezeichnet wurde, weiterverwendet.

Im Jahr 1931 entschloß sich die DRG, eine weitere Kleinserie von Kleinloks der Lg II zu bestellen. Insgesamt wurden noch im selben Jahr 21 Kleinloks an die DRG geliefert. Die Loks der zweiten Serie unterschieden sich deutlich von den Prototypen. Nach Vorgaben der Hauptverwaltung der DRG wurden diese Loks mit einem weitgehend ausgebauten Führerhaus versehen. Das Führerhaus wurde zur Verbesserung der Übergangsmöglichkeit von einer Fahrzeugseite zur anderen an ein Fahrzeugende verlegt, der Rahmen gleichzeitig tiefer ausgeschnitten.

Kb 4016 - Kb 4020 
Kö 4021 - Kö 4025 
Kb 4026 - Kb 4031 
Kö 4032 - Kö 4036 
- BMAG
- Deutz
- Orenstein & Koppel
- Jung

Die Lieferungen des Jahres 1931 sind aus der nebenstehenden Tabelle ersichtlich:

Ebenfalls 1931 wurden drei weitere Kleinloks in den Bestand der DRG eingereiht. Bei Kb 4037 handelt es sich um einen bereits 1930 von Windhoff gebauten Schlepper vom Typ LV 110 II, der im Bezirk Münster erprobt wurde. Kb 4038 und 4039 gehörten zu einer ebenfalls 1930 gebauten Serie von Breuer-Schleppern des Typs III. Warum zwei von ihnen als Kleinlok eingereiht wurden, ist heute nicht mehr bekannt. Die beiden Breuer-Schlepper wurden bereits 1935 wieder ausgemustert und als Geräte weiter verwendet.

Auf dem Weg zur Einheitskleinlok: Kb 4044 von BMAG (nach Umbau) und Kö 4058 von Krauss-Maffei.

Auch die 1932 gelieferten Kleinloks der Lg II waren noch als Versuchsfahrzeuge auf dem Weg zur Einheitskleinlok anzusehen. Beteiligt waren bei dieser Vorserie die Firmen BMAG Schwartzkopff, Orenstein & Koppel und Krauss-Maffei. Die letztgenannten Loks bewährten sich nicht und wurden schon nach kurzer Zeit ausgemustert.

Kb 4040 - Kb 4044
Kb 4045 - Kb 4049
Kb 4050 - Kb 4059
Kb 4060 - Kb 4064
- BMAG
- Orenstein & Koppel
- Krauss-Maffei
- Orenstein & Koppel

Die BMAG-Loks entsprachen weitgehend den 1931 beschafften Kb 4016 – 4020.

Das Bestreben, aus den 65 Vorserienloks eine einheitliche Bauform zu entwickeln, führte zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Motor-Kleinlokomotiven. An dieser Arbeitsgruppe waren die Firmen BMAG, Deutz, Jung und Krauss-Maffei unter Federführung der Firma Orenstein & Koppel beteiligt. Die Entwicklung der Einheitsbauform erfolgte dabei in enger Zusammenarbeit mit dem Reichsbahn-Zentralamt für Maschinenbau (RZM) in Berlin. An die Staatsbahn DRG (bzw. ab 1937 DRB) wurden insgesamt 1.114 Einheitskleinloks (einschließlich Ostbahn und RBauD) geliefert:


Die ersten Einheitskleinloks: Kb 4150 (links) von Jung und Kö 4178 von O&K.
Kb 4065 - Kb 4070
Kö 4098 - Kb 4102
Kb 4103 - Kb 4137
Kb 4138 - Kb 4165
Kö 4161 - Kö 4165
Kö 4166 - Kö 4206
Kö 4207 - Kö 4237
Kö 4238 - Kö 4305
Kö 4306 - Kö 4310
Kb 4311 - Kb 4345
Kö 4346 - Kö 4386
Kö 4387 - Kö 4417
Kö 4418 - Kö 4445
Kb 4446
Kö 4447 - Kö 4486
Kö 4487 - Kö 4556
Kö 4557 - Kö 4616
Kö 4617 - Kö 4621
Kb 4622 - Kb 4635
Kö 4636 - Kö 4654
Kö 4655 - Kö 4674
Kö 4675 - Kö 4708
Kö 4709 - Kö 4734
Kbf 4736
Kö 4737
Kb 4757
Kb 4758
Kö 4759 - Kö 4776
Kö 4777 - Kö 4786
Kö 4787 - Kö 4796
Kö 4797 - Kö 4804
Kö 4805 - Kö 4812
Kö 4813
Köf 4814
Kö 4821 - Kö 4825
Kb 4826 - Kb 4827
Kb 4828 - Kb 4831
Kö 4832 - Kö 4848
Kb 4849 - Kb 4853
Kbf 4854 - Kbf 4858
Kö 4871 - Kö 4880
Kö 4881 - Kö 4896
Kö 4897 - Kö 4902
Kö 4911
Kö 4912 - Kö 4925
Kö 4296 - Kö 4935
Kö 4936 - Kö 4945
Kö 4946 - Kö 4955
Köf 4956 - Köf 4959
Köf 4960 - Köf 4965
Köf 4966
Köf 4967 - Köf 4972
Köf 4973 - Köf 4978
Köf 4998
Köf 4999 - Köf 5008
Köf 5009 - Köf 5020
Köf 5021 - Köf 5024
Kö 5025 - Kö 5034
Kö 5035 - Kö 5044
Kbf 5050 - Kbf 5123
Kb 5140 - Kb 5162
Köf 5165 - Köf 5184
Köf 5187 - Köf 5206
Kbf 5207 - Kbf 5288
Kbf 5291 - Kbf 5292
Kbf 5342 - Kbf 5346
Kb 5709

- BMAG 1933
- BMAG 1934
- BMAG 1933/1934
- Jung 1934
- Jung 1933
- Orenstein & Koppel 1933/1934
- Deutz 1933/1934
- Krauss-Maffei 1933/1934
- BMAG 1934
- BMAG 1934
- Orenstein & Koppel 1934
- Deutz 1934
- Jung 1934
- Orenstein & Koppel 1934
- Borsig 1934
- Henschel 1934/1935
- Krupp 1934/1935
- BMAG 1934
- BMAG 1934
- Jung 1935
- Orenstein & Koppel 1934/1935
- Deutz 1934/1935
- Krauss-Maffei 1934
- BMAG 1935
- Jung 1935
- Deutz 1935
- Orenstein & Koppel 1935
- Deutz 1935
- Orenstein & Koppel 1935
- BMAG 1935
- Jung 1935
- Krauss-Maffei 1935
- BMAG 1936
- BMAG 1935
- BMAG 1936
- BMAG 1936
- Orenstein & Koppel 1937
- Deutz 1935/1936
- Deutz 1936/1937/1939
- BMAG 1937
- Jung 1936/1937
- Deutz 1936/1937
- Jung 1936/1937
- Jung 1937
- Deutz 1938
- Orenstein & Koppel 1938/1939
- BMAG 1938
- Jung 1938
- Jung 1938/1939
- BMAG 1938
- BMAG (Umbau aus Kö 4066)
- Orenstein & Koppel 1938
- Deutz 1939
- BMAG 1938
- BMAG 1942
- Deutz 1941
- Deutz 1942 – Lieferung an RBauD
- Orenstein & Koppel 1943/1944
- Windhoff 1943
- Deutz 1943/1944
- Windhoff 1943
- Deutz 1942/43 – Lieferung an Ostbahn
- Deutz 1943 – Lieferung an Ostbahn
- Deutz 1944
- Deutz 1944
- Deutz 1944
- Windhoff 1943

Der Begriff Einheitskleinlok bezieht sich nahezu auf das gesamte Fahrzeug und hier im wesentlichen auf die Einhaltung verschiedener Maße sowie auf das äußere Erscheinungsbild.

Hinsichtlich des Motors wurden jedoch im Laufe der Jahre verschiedene Varianten zugelassen und erprobt. Einzelne Exemplare dienten auch als Versuchsträger für alternative Fahrzeugkomponenten:

Zadow-Getriebe
Kb 4066

Zweistufiges Voith-Flüssigkeitsgetriebe
Kbf 4736, Köf 4814

Jahns-Thoma-Getriebe
Kö 4737

Imbert-Holzgasanlage
Kb 4446

Sauggasanlage Bauart Humboldt-Deutz
Kb 4757, Kb 4828, Kb 4829, Kb 4830, Kb 4831, Kb 4849,
Kb 4850, Kb 4851, Kb 4852, Kb 4853

Sauggasanlage Bauart O&K
Kb 4758

Sauggasanlage Bauart Wisco
Kb 4826, Kb 4827, Kbf 4854, Kbf 4855, Kbf 4856, Kbf 4857,
Kbf 4858

Nach der Erprobung der beiden oben genannten Loks mit zweistufigem Voith-Getriebe wurden ab etwa Ende 1937 verstärkt Kleinloks mit dreistufigem Voith-Flüssigkeitsgetriebe anstelle des ursprünglich verwendeten Rädergetriebes bestellt. Die ersten Loks mit dieser Getriebebauart waren die Kbf 4854 - 4858, gleichzeitig Erprobungsträger für Sauggasmotoren mit Schwelkoksbetrieb. Insgesamt wurden 257 Kleinloks ab Werk mit einem dreistufigen Voith-Flüssigkeitsgetriebe geliefert.

Die 1939 gegründete Generaldirektion der Ostbahn (Gedob) beschaffte selbständig 40 Kleinlokomotiven der Lg II (5165-5184, 5187-5206). Zum 01.05.1943 ging die Gedob in das Eigentum der DRB über, behielt aber größtenteils ihre Eigenständigkeit. Zum Kriegsende hin wurde die Gedob dann allmählich aufgelöst.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war nur ein Bruchteil der einst vorhandenen Kleinloks einsatzfähig. Eine große Anzahl der Maschinen, vornehmlich Loks aus dem Osteinsatz, ist während des Zweiten Weltkrieges verschollen. Viele Kleinloks wurden im Krieg irreparabel zerstört, wobei Informationen hierüber heute so gut wie nicht mehr vorhanden sind. Eine nennenswerte Anzahl Kleinloks ist nach dem Krieg im Ausland verblieben (siehe unter Verbleib Ausland ).

Der Bedarf an Rangierlokomotiven war indes im Westen wie im Osten nach wie vor gegeben. Bereits 1948 entschied sich die noch als DRB firmierende Staatsbahn in Westdeutschland für eine Weiterbeschaffung der Einheitskleinloks der Lg II. Bestellt wurden in mehreren Tranchen insgesamt 736 Loks, die als Köf 6100 – 6835 bezeichnet von 1948 bis 1965 ausgeliefert wurden. Am Bau der Nachkriegsloks waren die Firmen Deutz und Gmeinder, später auch Jung und Orenstein & Koppel beteiligt.

Von der Deutschen Reichsbahn wurden nur noch wenige Kleinloks der Lg II beschafft. Hierbei handelt es sich um Nachbauten, die im Raw Dessau in den Jahren 1957 bis 1968 entstanden.

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